Ich finde mich selber unattraktiv – was kann ich tun?

 

Lebenshilfe Ich (35/w) finde mich nicht attraktiv. Mein Freund, mit dem ich seit acht Jahren zusammen bin, sagt mir zwar immer wieder, dass er mich schön findet. Ich kann das gar nicht richtig glauben. Immer wenn ich mich betrachte, sehe ich die Dinge, die ich nicht mag. Zu viele Falten, Hautunreinheiten oder Fett. Was kann ich tun?

 

David Siegenthaler

07.03.2019, Luzerner Zeitung

 

Mit diesem Problem stehen Sie nicht alleine da. Viele Frauen, aber auch Männer sind mit ihrem Aussehen unzufrieden. Selbst Menschen, welche den gängigen Schönheitsidealen eigentlich genau entsprechen, sind davon betroffen. Oft ist es die Definition von sich selber, welche diese Entwertung hervorruft. Und damit können Gefühle einhergehen, minderwertig oder unattraktiv zu sein. Selbst ehrliche Komplimente und Bestätigungen, die Sie erhalten, können Sie dann nicht gelten lassen. Mit Selbstakzeptanz und Selbstliebe können Sie wieder lernen, sich
selbst schon zu finden und ein positives Selbstbild von sich zu finden, welches weniger von äusseren Komplimenten abhängig ist. Dies bedeutet Arbeit und Training, aber es lohnt sich.

Der Spiegel ist dafür eines der besten Werkzeuge. Sehen Sie Ihr Gesicht und Ihren Körper an. Betrachten Sie sich als jemanden, den Sie attraktiv finden. Welche Aspekte lieben Sie an sich? Welche Teile Ihres Körpers bringen Sie mit Ihrem Charakter besonders schön zur Geltung? Die Augen, Ihre Körperbewegung, die Haut, die Art, wie Sie lächeln? Machen Sie davon eine Liste und behalten Sie diese an einem Ort, wo Sie jederzeit darauf zugreifen können. Nutzen Sie Spiegelbilder, die Sie im Alltag zufällig von sich selber sehen, um sich diese positiven Aspekte ins Gedächtnis zu rufen.


Unabhängigkeit ist attraktiv


Eine weitere Übung: Seien Sie mutig, schauen Sie sich vor dem Spiegel in die Augen. Sprechen Sie laut aus, dass Sie attraktiv und schön sind. Glauben Sie es. Diese Übung ist anfangs ungewohnt und benötigt tägliche Wiederholung, aber nur 1 bis 2 Minuten. So werden Sie den neuen Gedanken akzeptieren. Durch die eigene Akzeptanz Ihres Körpers werden auch andere Sie attraktiver finden. Denn Sie sind weniger darauf angewiesen, Komplimente zu bekommen. Eine gesunde Unabhängigkeit wirkt attraktiv. Ein grosser Teil der Attraktivität wird durch die Qualität der Beziehung gebildet. In einem Test haben Paare von Bildern des Partners das echte finden
müssen. Der Clou, es gab keine echten, sondern nur solche, die via Photoshop «hässlicher» oder «schöner» gemacht worden waren. War die Beziehung gut, haben die Paare das jeweils schönere Bild als das echte betrachtet. Daraus lässt sich annehmen, dass sie sich unweigerlich
gegenseitig in einem besseren und attraktiveren Körperbild sehen, wenn die Beziehung zueinander gut ist.


Charakter macht schön


Das heisst, Charakterstärken sind ein grosser Teil der Anziehungskraft. Dazu gehören Attribute wie Freundlichkeit, Auftreten, Empathie, Intelligenz. Aber auch, wie oft Sie beispielsweise Menschen herzlich anlächeln, definiert Attraktivität. Denn wer über Jahre missmutig dreinschaut, dem wird es irgendwann ins Gesicht geschrieben sein. Der englische Komiker John Cleese sagte: «Bis vierzig ist Aussehen Glückssache, ab vierzig ist jeder selber dafür verantwortlich.»

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