Soll ich der Partnerin meine erotischen Vorlieben mitteilen?

 

Ich (42) habe seit 12 Jahren eine schöne Beziehung mit meiner Frau. Wir haben auch guten Sex. Aber ich habe ihr nie gesagt, dass ich dominantes und unterwürfiges Verhalten erotisch finde. Aus Angst, sie wäre schockiert oder würde mich gar verlassen. Macht es Sinn, den Partner über solche Vorlieben oder Fantasien zu informieren?

 

Luzerner Zeitung

David Siegenthaler

 

Sogenannte Kinks sind sexuelle Vorlieben, die vom sexuellen «Standard» abweichen. Obwohl es eine Minderheit der Menschen betrifft, können sie ein wichtiges Element einer
erfüllten persönlichen Sexualität sein. Vielleicht ist man(n) fasziniert davon, Frauenkleider (oder andere Kleidung wie
etwa aus Leder und Latex) zu tragen. Oder es handelt sich
wie in Ihrem Fall um dominantes bzw. unterwürfiges Verhalten.
Ohnehin können verschiedenste Rollenspiele in die Sexualität integriert werden. Nun scheint Ihre Vorliebe ein wichtiger Teil Ihrer Sexualität zu sein. Und Sie fragen sich nun, ob sie diesen Ihrer Frau nicht mitteilen könnten. Entscheidend dabei ist, ob Sie Ihre Partnerin in diese Spielart miteinbeziehen möchten. Oder ob es Ihnen reicht, diese als reine Fantasie zu behalten. In letzterem Fall müssen Sie das Risiko einer Irritation nicht eingehen. Falls Sie aber Ihre Partnerin miteinbeziehen wollen, sollten Sie zunächst selber akzeptieren, dass Ihre sexuelle Vorliebe nichts Beschämendes oder Negatives ist. Sondern einfach
ein Teil Ihres eigenen Geschmacks. Zwar ist gut nachvollziehbar, dass Sie sich vorder Reaktion Ihrer Frau etwas
fürchten. Das Risiko, nicht gemocht zu werden, wie man ist, besteht, wenn man sich authentisch zeigt. Doch ist es
nicht Sinn und Bestandteil einer Beziehung, geliebt zu werden, weil man ist, wie man ist?

 

Offenheit auch als Chance

Wenn Ihre Frau Sie wirklich liebt, ist die Chance gross, dass sie in der Beziehung bleibt, auch wenn Sie sich mit diesem Geheimnis zeigen. Die Offenheit bietet auch die Chance, als Paar auf neue Art mit Sexualität
umzugehen. Vielleicht haben Sie überhaupt noch nie in Ihrer Beziehung über sexuelle Vorlieben gesprochen? Und
es könnte doch auch sein, dass Ihr Partner ebenfalls Kinks hat, die Sie noch nicht kennen. Ein erstes Gespräch könnte starten, indem Sie Interesse zeigen: «Wollen wir darüber sprechen, welche sexuelle Fantasien wir
haben? Ich fände spannend zu erfahren, wie das bei dir ist.» Indem Sie Ihre Vorlieben kennen lernen, können sie
diese vielleicht gemeinsam entdecken und ausprobieren. Dies gibt Ihrer Beziehung und Sexualität mehr Tiefgang und könnte sie beide auf eine Weise befriedigen, welche sie bisher noch nicht gekannt haben. Zudem kann es für Sie auch einfach entlastend sein, wenn Sie Ihre Vorliebe nicht mehr verstecken müssen. Allerdings klingen manche
Vorlieben in der Fantasie besser, als sie es in der Realität dann tatsächlich sind. Letztlich kann niemand sagen, wohin es führt, wenn Sie offen über Ihre sexuellen Wünsche sprechen und diese ausprobieren. Doch indem Sie Ihre eigene Sexualität akzeptieren und in der Partnerschaft ansprechen, kann dies ein erster Schritt in eine spannende und facettenreiche Sexualität sein, die Ihnen schöne und erfüllende Lebensmomente schenkt.

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